Wettbewerb Museumskarree M²plus „Zwischenhalt im Zwischenraum“ am Museum der bildenden Künste Leipzig (MdbK), Nina Schuiki

Museumskarree M²plus

 

Konzeption, Organisation und Betreuung eines Kunstwettbewerbs mit vorgeschaltetem Bewerbungsverfahren

Auftraggeberin: Stadt Leipzig, Kulturamt
Ort: Leipzig
2023

Team: Claudia Siebeck, Kim Wortelkamp, Janek Küttner

Fotos: © Alexander Schmidt/punctum

Das Kulturamt der Stadt Leipzig startete am 8. Mai 2023 den Kunstwettbewerb Museumskarree M²plus „Zwischenhalt im Zwischenraum“ am Museum der bildenden Künste Leipzig (MdbK). Die städtische Freifläche zwischen dem MdbK und der gegenüberliegenden Eckbebauung im Südwesten soll zu einem Ort der Kunst und der Begegnung aufgewertet werden. Der Wettbewerb suchte Ideen zur künstlerischen Verwandlung eines wenig prominenten „Zwischenraums“ in eine innerstädtische Adresse mit Strahlkraft und Verweilqualität. Für das Projekt stehen 100.000 Euro zur Verfügung, finanziert durch das Bundesprogramm „Zukunftsfähige Innenstädte und Zentren“.

Die Konzeption sah ein zweistufiges Verfahren vor:  ein vorgeschaltetes Bewerbungsverfahren und einen Einladungswettbewerb mit Bürgerjury.

 

Die Auslobung wurde sehr offen formuliert, von Einzelpersonen bis hin zu Gruppen konnte sich jede*r bewerben, Vertreter*innen aller bildenden und darstellenden Künste waren eingeladen. Bedingung war lediglich, bereits drei Referenzen im öffentlichen Raum nachweisen zu können, von denen eine umgesetzt wurde. Die Bewerbungsfrist endete Anfang Juni, es gingen 132 Bewerbungen ein – eine überraschend hohe Zahl.

 

Zum anschließenden Auswahlgremium gehörten unter anderem Franciska Zólyom (Direktorin Galerie für zeitgenössische Kunst Leipzig), Prof. Mitra Wakil (Professorin Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig), Jörg van den Berg (Direktor Museum Morsbroich, Leverkusen) und Sarah Alberti (Journalistin, Lektorin und Kunsthistorikerin, Leipzig). Nach einer ganztägigen Sitzung entschied sich das Gremium für fünf Künstler*innen, die zur Entwicklung und Einreichung eines Wettbewerbsbeitrags eingeladen wurden.

 

Die Jury des Kunstwettbewerbs setzte sich aus einer geladenen und engagierten Öffentlichkeit zusammen, die neben Vertreter*innen verschiedener Leipziger Institutionen zu 50% aus Bürger*innen bestand. Das Konzept sah vor, einer interessierten Stadtgesellschaft die Möglichkeit zu geben, sich aktiv einzubringen und sich am Entscheidungsprozess zu beteiligen. Bürgerdialoge und neue Formate der Partizipation können dazu beitragen, Vertrauen in die Demokratie zu stärken und werden zurecht immer mehr gefordert. Deshalb wurde eine ungewöhnlich starke Bürgerbeteiligung bereits als Teil des gesamten Verfahrens ermöglicht und nicht erst als Teil der künstlerischen Inszenierung.

 

Die Bürgerjury präsentierte sich als eine bunte Mischung aus Kindern, Jugendlichen, Erwachsenen und Senior*innen, Anrainer*innen, Museumsengagierten und interessierten Stadtakteuren. Zu Beginn der Sitzung stellten drei Fachberater*innen die eingegangenen Ideen anhand der Erläuterungsberichte vor. Im Anschluss wurden die Wettbewerbsbeiträge diskutiert und mithilfe eines Punktesystems bewertet. Dabei hatten die Bürger*innen alleiniges Stimmrecht. Die drei Fachberater*innen waren Dr. Stefan Weppelmann (Direktor, Museum der bildenden Künste Leipzig, Kunsthistoriker), Anna Schimkat (Künstlerin, Mitglied Fachbeirat Kunst im öffentlichen Raum und am Bau Leipzig) und Diana Felber (Architektin, Vorstandsmitglied Verein für zeitgenössische Kunst Leipzig e.V.).

 

Als klarer Siegerentwurf ging der Wettbewerbsbeitrag „Frühling“ der Berliner Künstlerin Nina Schuiki hervor: Die Arbeit „Frühling“ zieht einen Riss durch das vorhandene Granitpflaster des Zwischenraums. Daraus wächst als Pionierpflanze das schmalblättrige, rosablühende Weidenröschen empor. In der skulpturalen Geste verbinden sich Bewegungen des Grabens und des Wachsens: In den Boden hinein und aus dem Boden heraus schieben sich verschiedene Zeitschichten und Stadtgeschichten. Durch das Aufblühen von Natur entsteht die Atmosphäre eines einladenden und lebendigen Aufenthaltsraumes, der die großvolumige Stadtarchitektur mit einer kleineren, menschlichen Maßstäblichkeit herausfordert.

 

Im Oktober wurden alle Wettbewerbsbeiträge für vier Wochen im MdbK ausgestellt, nun wird die Umsetzung begleitet, am 15.06.2024 wird die Eröffnung sein.

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