Die Worpswedebank

Entwicklung einer Sitzbank für den Ort Worpswede

Auftraggeber: Worpsweder Museumsverbund e.V.
Ort: Worpswede
Fertigstellung: 2019

der Kontext bildet die Form

Sie haben gemalt, gebildhauert, Gärten angelegt, Häuser gebaut und Möbel entworfen. Die Worpsweder Künstler wie Vogeler und Hoetger prägten einen Ort durch Ihren umfassenden Gestaltungswillen. Ihre Qualität bestimmt noch heute dem Ort und verbietet dem, der sich in diesen Kontext begibt Beliebigkeit.

Es war eine große Freude aber auch Herausforderung eine Bank für Worpswede zu entwerfen.

Gelaserter Schwarzstahl bildet die zelluläre Tragstruktur, eine Referenz an die vegetativen Formen des Jugendstils und geölte Lärche bildet die Sitzflächen. Weitere Bänke werden folgen und im Ortsbild von Worpswede kleine Akzente setzen !

worpswedebank

Eine freie Assoziation von Christian Jacobs

Die Bank in Worpswede hat Ihren Platz vor der Großen Kunstschau gefunden. Sie steht ganz selbstverständlich im vorgelagerten Kiefernwäldchen. So, als ob sie schon immer dort steht. Und für sie gilt nicht: eine Bank ist eine Bank. Die worpswedebank -geschaffen vom quartier vier aus Leipzig- geht weit über eine Sitzmöglichkeit im öffentlichen Raum hinaus, wenngleich sie auch diesen Zweck erfüllen wird.

Diese Bank ist in einer feinen Einfachheit entworfen. Und in einer quasi unfertig anmutenden Weise gebaut. Merkmale, die immer erst in einem Objekt gelingen, wenn unzählige Ideen verworfen wurden. Darüber hinaus haben die, die diese Bank entworfen und gebaut haben, das Experiment gewollt und sich im Raum der Möglichkeiten und erfundenen Welten bewegt. Damit hat die worpswedebank auch im wahrsten Sinne des Wortes Phantastisches an sich.

Sie selbst ist Raum, der einmal als geschlossener Bereich erlebt werden kann, und sie ist zugleich ein Raum, der sich öffnet und einlädt (hin zum HoetgerHaus). Sie ist aber auch ein Ort, der einlädt ins Gespräch zu kommen, da man nicht nur nebeneinandersitzend die Landschaft wahrnehmen kann, sondern die Sitzenden auch miteinander von Angesicht zu Angesicht ins Gespräch kommen und den Dialog über die Kunst, die Natur, Vergangenes und Gegenwärtiges oder Gott und die Welt führen können. Vor allen Dingen ein Sprechen über Gott und die Welt oder weniger umgangssprachlich formuliert: ein Reden über die Verbundenheit von Allem ist quasi in der Bank angelegt, da sie einmal mit der Zellstruktur der Zwiebel natürlich Bezug auf die Formsprache der frühen Worpsweder Künstler nimmt und damit Zeit und Form relativiert. Die Künstler von Worpswede waren dem Jugendstil verbunden und dort ist die (Blumen)Zwiebel Symbol der Reinheit und der Sehnsucht und immer eher weiß oder hell, wie der blanke Stahl der Bank. Zum anderen -und das empfinde ich als viel bedeutsamer- über die Struktur, die auch den Boden des Ortes bildet, gleich in die universelle Struktur der Matrix verweist und so ein Bewusst-werden auf allen Stufen menschlicher Erkenntnis möglich macht. Ich kann mich an dem Ort bzw. der worpswedebank im WELTENALL verlieren, finden und erfinden und durch die Einladung, die über die Anordnung der Sitzmöglichkeiten gewählt wurde, kann ich dies auch im Dialog tun oder auch im Liegen. Sie bildet für mich in symbolischer Weise den heute mehr denn je notwendigen DORFPLATZ ab, der den Bewohnern/Besitzern eine Intimität, Regionalität und Sicherheit gibt und zugleich daran erinnert, dass wir alle in diesem WELTENALL leben und verbunden sind.

PS: Einige Wochen nach der Einweihung der worpswedebank bin ich wieder vor Ort und suche den DORFPLATZ und das WELTENALL auf, um mich zu erinnern und zu verbinden: mit ALLEM. Und bemerke mit großer Freude, dass sich auf dem blanken etwas kühlen Stahl Rost angesetzt hat. Eine Fingerprüfung ergibt, dass der Rost fest mit dem Stahl verbunden ist. Platz nehmen und die Vergänglichkeit bewusster annehmen, die immer und überall stattfindet, wenn wir uns dem Leben überlassen. (Christian Jacobs im August 2019)

Christian Jacobs ist Geschäftsführer der Unternehmensberatung J&P GmbH (Auch: just Human), die sich mit Ihrem einzigartigen, wertebasierten Ansatz auf Change Prozesse & Unternehmenskultur spezialisiert. Hierbei berät er führende Mittelständler und Dax-Konzerne. Aktuelle Schwerpunkte in seiner Arbeit sind Innovation und High Performance Organisationen.

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