Schöne Aussicht
Aussichtsturm Stöntzsch
Bauherr: Stadt Pegau
Fertigstellung: 2025
Projektbeteiligte:
David Franke
Henneker Zllinger Ingenieure, Statik
Die Gemeinde Stöntzsch, zwei Kilometer westlich von Pegau, fiel 1960 den Braunkohle-Baggern des Tagebaus Profen zum Opfer. Im Rahmen der Rekultivierung wurde ein Hügel mit einer kleinen, mit Eisenbahnschwellen gefassten Aussichtsplattform angelegt. Da der Aussichtspunkt abgängig war und die aufgewachsene Vegetation die Aussicht verhinderte, beauftragte die Stadt Pegau quartier vier mit dem Entwurf eines Aussichtsturms.
In den Bergbaufolgelandschaften um Leipzig wurden bereits zwei Aussichtstürme errichtet. Der Turm auf der Bistumshöhe, der die Form der Schlote von Espenhain aufnimmt und auf die historische Nutzung der Umgebung anspielt, sowie der sehr funktionale Aussichtsturm auf der Halde Trages.
Der Aussichtsturm Stöntzsch bedient sich des archaischen Bildes des Campanile, eines freistehenden Kirchglockenturms, und wird zum Sinnbild für die verloren gegangene Gemeinde, Gemeinschaft und Siedlung. Das stählerne Tragwerk zeichnet die Silhouette des klassischen Campanile nach. So mahnt der Turm den Verlust der Gemeinde Stöntzsch.
Die Fassade aus drehbaren Aluminiumpaneelen verfolgt drei Ansätze:
Die in das Traggerüst des Turmes eingesetzten, metallisch glänzenden Paneele verleihen dem Turm etwas Schemenhaftes und Durchscheinendes. Eine Fassade, die sich durch den Wind und die Besucher öffnet und schließt, und so nicht ein klares Volumen umspannt, sondern gleichzeitig Durchsicht und Ansicht gewährt. Stets wandelt sich das Verhältnis von offenen zu geschlossenen Flächen. Das Wechselspiel gibt dem Turm ein sich ständig änderndes Erscheinungsbild, manchmal eher durchsichtig und unscharf, manchmal eher geschlossen und klar in seiner Kontur.
Den Besuchern wird durch die drehbaren Paneele die Möglichkeit gegeben, den Ausblick selbst zu bestimmen und sich die Aussicht zu „rahmen“ – es entstehen Landschaftsbilder.
Die Fassade selbst fungiert auch als Informationsträger. Auf den Paneelen sind die zu den Ausblicken passenden Texte und Bilder aufgebracht. Die Besucher werden zum Drehen motiviert, um das Beschriebene zu sehen, aber auch um zu sehen, was fehlt!